Die Seele kann nicht gewonnen werden von einem Schwächling. *Upanischaden


...Nun können wir das interpretieren,
was in der Gemara (Traktat Chulin, S. 7) gesagt wird:

Rabbi Pinchas Ben Jair war auf dem Weg, Gefangene zu befreien. Er kam zum Fluss Ginai und sagte zu ihm: „Ginai, teile deine Wasser und ich werde durch dich hindurchgehen.“ Der Fluss erwiderte: „Du wirst den Willen deines Schöpfers tun und ich werde den Willen meines Schöpfers tun. Du tust es vielleicht oder auch nicht, während ich es sicher tue.“ Er sagte, die Bedeutung ist, dass er dem Fluss, also dem Willen zu empfangen befahl, ihn durchzulassen und die Stufe, den Willen Gottes zu tun, zu erreichen, also alles zu tun, um seinem Schöpfer Zufriedenheit zu bereiten. Und der Fluss, das heißt der Wille zu empfangen, antwortete ihm, dass, da der Schöpfer ihn mit dieser Natur erschaffen hat, Genuss und Vergnügen empfangen zu wollen, er die Natur, die der Schöpfer ihm gegeben hat, nicht ändern wird. Und Rabbi Pinchas Ben Jair führte einen Krieg mit ihm, was bedeutet, dass er ihn zum Willen zu geben umwandeln wollte. Das heißt, dass er mit der Schöpfung, mit dem, was der Schöpfer in der Natur erschaffen hat, welches der Wille zu empfangen heißt, also mit der ganzen Schöpfung, die „Jesh me Ajn“ („Existenz aus dem Nichtexistierenden“) genannt wird, einen Krieg führte.

Und man soll wissen, dass während der Arbeit, wenn der Wille zu empfangen mit seinen Argumenten zum Menschen kommt, weder Diskussionen noch rationale Argumente, die der Mensch als gerecht empfindet, helfen. Obwohl man meint, dass diese Argumente gerechtfertigt sind, werden sie uns nicht beim Besiegen unseres Bösen helfen. Stattdessen, wie es geschrieben steht: „Er machte seine Zähne stumpf“, was bedeutet, den Weg nur mit Taten zu beschreiten und nicht mit Argumenten. Das bedeutet, dass der Mensch seine Kräfte gezwungenermaßen steigern soll, was das Geheimnis der Aussage unserer Weisen ist:

„Man zwingt ihn, bis er sagt, ich will.“

Das heißt, dass die Gewohnheit durch vermehrte Beharrlichkeit zur zweiten Natur wird. Und der Mensch muss sich hauptsächlich darum bemühen, ein starkes Verlangen danach zu haben, sich den Willen zu geben anzueignen und den Willen zu empfangen zu überwinden. Die Bedeutung eines starken Willens ist, dass dieser an der Häufigkeit der zwischenzeitlichen Pausen und Ruhezeiten gemessen wird. Damit ist die Unterbrechung von einer Überwindung zur nächsten gemeint. Manchmal bekommt der Mensch zwischendurch eine Unterbrechung, was Abstieg heißt. Und dieser Abstieg kann einen Moment oder eine Stunde oder einen Tag oder einen Monat lang andauern. Und danach beginnt er wieder von neuem, an der Überwindung des Willens zu empfangen zu arbeiten und sich zu bemühen, den Willen zu geben zu erreichen. Ein starker Wille bedeutet, dass die Unterbrechung bei ihm nicht lange andauert und er gleich wieder zur Arbeit erwacht.

Dies ähnelt einem Menschen, der einen großen Stein zerbrechen möchte. Er nimmt einen großen Hammer und schlägt mit diesem mehrmals den ganzen Tag lang auf ihn ein, aber seine Schläge sind schwach, was bedeutet, dass er nicht mit einem Schwung auf den Stein schlägt, sondern den großen Hammer langsam senkt. Und er beschwert sich, dass diese Arbeit, den Stein zu zerbrechen, nichts für ihn ist, denn sicherlich braucht man einen Starken, der die Fähigkeit hat, diesen großen Stein zu zerbrechen. Und er sagt noch, dass er nicht mit solch großen Kräften geboren wurde, die ihm ermöglichen könnten, den Stein zu zerbrechen. Wenn jedoch jemand diesen großen Hammer hebt und mit einem großen Schwung auf den Stein schlägt, also nicht langsam, sondern mit Kraftaufwand, dann gibt der Stein sofort nach und zerbricht. Und dies ist “wie ein [starker] Hammer, der Felsen sprengt.“ Ebenso ist es in der heiligen Arbeit, bei der die Empfangsgefäße in die Kedusha (Heiligkeit) hineingebracht werden: Obwohl wir einen starken Hammer haben, was bedeutet Worte der Tora, die uns gute Ratschläge geben, flieht der Mensch jedoch aus dem Kampf, wenn er nicht beständig ist, sondern mit großen Unterbrechungen dazwischen arbeitet. Und er sagt, dass er dafür nicht geschaffen wurde, sondern es für diese Arbeit jemanden braucht, der mit besonderen Fähigkeiten dafür geboren wurde.

Nichtsdestoweniger soll der Mensch glauben, dass jeder Mensch das Ziel erreichen kann. Allerdings muss er sich bemühen, ein jedes Mal seine Überwindungskräfte zu steigern, und dann kann er in kurzer Zeit den Stein zerbrechen...

*Baal HaSulam (Shamati 19)

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